Reinheitsgebot

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Das Reinheitsgebot ist eine mehrere hundert Jahre alte gesetzliche Regelung, die festlegt, dass Bier nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten darf.

Geschichte

Im Jahre 1516 einigten sich die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Lduwig X. auf eine gesetzliche Regelung, die als das am längsten wirksame Verbraucherschutzgesetz gilt. Als zu dieser Zeit ein Preiskampf zwischen Bäckern und Brauern entstand wurde dem Bier Kräuter, Wurzelgemüße, Pilze und Tierprodukte beigemischt. Dies führte zu einem Erlass, der seit Anfang des 20. Jahrhunderts als Reinheitsgebot bekannt ist. Demnach wurde festgelegt, dass Bier nur aus Gerste, Hopfen und Wasser hergestellt werden darf. Die Regelung hat Hefe noch nicht erwähnt, da diese zu dieser Zeit noch nicht bekannt war.[1]

Unter der Staatenzusammenführung von Bismarck haben viele deutsche Staaten dieses Gebot übernommen, wodurch viele lokale Biersorten und Brauarten illegal wurden. Das Reinheitsgebot wurde allgemein gültig, als Bayern 1919 seinen Beitritt zum deutschen Reich davon abhängig gemacht hatte.[1]

Im Jahre 1988 wurde die Regelung des Reinheitsgebotes unwirksam gemacht, da die Europäische Union erklärt hatte, das Reinheitgebot verstoße gegen das Wettbewerbsrecht und behindere den freien Handel. Bis heute gibt es aber nur wenige deutsche Brauereien, die andere Erzeugnisse, wie Zucker oder Ersatzgetreide, dem Bier beimischen. Demnach dürfen in Deutschland zwar, ausländische Biererzeugnisse als Bier verkauft werden, dennoch entsprechen nahezu alle deutschen Biere dem Deutschen Reinheitsgebot. Eventuelle Mischungen oder Beimischungen sind als Biermischgetränk bekannt.

Die Verordnung zum Reinheitsgebot 1516

Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg und der Wiedervereinigung der bayerischen Teilherzogtümer mussten auch die bis dahin unterschiedlichen bayerischen Landrechte harmonisiert werden. Die neue Landesordnung wurde schließlich am 23. April 1516 durch die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt erlassen. Die Tatsache, dass in dieser neuen harmonisierten Verordnung von Gerste und nicht von Malz die Rede ist, weist darauf hin, dass die Söhne von Herzog Albrecht IV. auf das „Münchner Reinheitsgebot“ ihres Vaters und nicht auf das spätere „Landshuter Reinheitsgebot“ Bezug genommen und dieses insoweit auf ganz Bayern erweitert haben. Die darin enthaltene und heute als „Bayerisches Reinheitsgebot“ bezeichnete Textpassage regulierte einerseits die Preise, andererseits die Inhaltsstoffe des Bieres.[2]

Originaltext

„Item wir ordnen / setzen / und wöllen mit Rathe unnser Lanndtschaft / das füran allennthalben in dem Fürstenthumb Bayrn / auff dem Lande / auch in unnsern Stettn unn Märckthen / da deßhalb hieuor kain sonndere ordnung ist / von Michaelis biß auff Georij / ain mass oder kopffpiers über ainen pfenning Müncher werung / unn von sant Jorgentag / biß auff Michaelis / die mass über zwen pfenning derselben werung / und derenden der kopff ist / über drey haller / bey nachgesetzter Pene / nicht gegeben noch außgeschenckht sol werden. Wo auch ainer nit Mertzn / sonder annder pier prawen / oder sonst haben würde / sol Er d och das / kains wegs höher / dann die maß umb ainen pfenning schencken / und verkauffen. Wir wöllen auch sonderlichen / das füran allenthalben in unsern Stetten / Märckthen / unn auf dem Lannde / zu kainem Pier / merer stückh / dann allain Gersten / Hopfen / unn wasser / genommen unn gepraucht sölle werdn. Welher aber dise unsere Ordnung wissentlich überfaren unnd nie hallten wurde / dem sol von seiner gerichtzöbrigkait / dasselbig vas Pier / zuestraff unnachläßlich / so offt es geschicht / genommen werden. jedoch wo ain Grüwirt von ainem Pierprewen in unnsern Stettn / Märckten / oder aufm lande / jezuezeitn ainen Emer piers / zwen oder drey / kauffen / und wider unnter den gemaynen Pawrsuolck ausschenken würde / dem selben allain / aber sonßt nyemandes / soldyemass / oder der kopffpiers / umb ainen haller höher dann oben gesetzt ist / ze geben / unn / außzeschencken erlaubt unnd unuerpotn.“[2]

Übersetzung

„Wir verordnen, setzen und wollen mit dem Rat unserer Landschaft, dass forthin überall im Fürstentum Bayern sowohl auf dem Lande wie auch in unseren Städten und Märkten, die keine besondere Ordnung dafür haben, von Michaeli (29. September) bis Georgi (23. April) eine Maß (bayerische, entspricht 1,069 Liter) oder ein Kopf (halbkugelförmiges Geschirr für Flüssigkeiten – nicht ganz eine Maß) Bier für nicht mehr als einen Pfennig Münchener Währung und von Georgi bis Michaeli die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig derselben Währung, der Kopf für nicht mehr als drei Heller (gewöhnlich ein halber Pfennig) bei Androhung unten angeführter Strafe gegeben und ausgeschenkt werden soll. Wo aber einer nicht Märzen sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtig weggenommen werden. Wo jedoch ein Gastwirt von einem Bierbräu in unseren Städten, Märkten oder auf dem Lande einen, zwei oder drei Eimer (enthält etwa 60 Liter) Bier kauft und wieder ausschenkt an das gemeine Bauernvolk, soll ihm allein und sonst niemand erlaubt und unverboten sein, die Maß oder den Kopf Bier um einen Heller teurer als oben vorgeschrieben ist, zu geben und auszuschenken. Auch soll uns als Landesfürsten vorbehalten sein, für den Fall, dass aus Mangel und Verteuerung des Getreides starke Beschwernis entstünde, nachdem die Jahrgänge auch die Gegend und die Reifezeiten in unserem Land verschieden sind, zum allgemeinen Nutzen Einschränkungen zu verordnen, wie solches am Schluss über den Fürkauf ausführlich ausgedrückt und gesetzt ist.“[2]

500 Jahre Reinheitsgebot

Im Jahr 2016 feiert das Reinheitsgebot 500-jähriges Bestehen. Viele Brauereien haben hierzu spezielle Biersude eingebraut und verkaufen Sondereditionen. Auch bier-kaufen.de startet hierzu jeden Monat im Jahr 2016 eine Rabattaktion um die Tradition des Reinheitsgebotes zu feiern.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Tim Webb & Stephen Beaumont - Die Bier Bibel; ISBN: 978-3-86690-310-4
  2. 2,0 2,1 2,2 Seite „Reinheitsgebot“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 10. Februar 2016, 08:49 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reinheitsgebot&oldid=151311851 (Abgerufen: 10. Februar 2016, 14:49 UTC)